In 30 Sekunden zum Lebensretter

Es war ein ganz normaler Abend im Restaurant, als Daniel Boschmann, der bekannte Sat.1-Moderator, plötzlich keine Luft mehr bekam. Ein Bissen hatte sich in seiner Luftröhre festgesetzt. Schockstarre machte sich breit, bis ein aufmerksamer Kellner handelte. Mit gezielten Griffen befreite er die blockierten Atemwege und rettete damit womöglich ein Leben. Diese Szene verdeutlicht eindrucksvoll: Jeder kann zum Ersthelfer werden. Und: Der Heimlich-Griff kann in Sekundenschnelle über Leben und Tod entscheiden.

Das Wichtigste zum Heimlich-Handgriff in Kürze

    • Der Heimlich-Griff ist eine lebensrettende Sofortmaßnahme bei drohender Erstickung durch verschluckte Fremdkörper.

    • Bauchkompressionen erzeugen einen Luftstoß, der den blockierenden Gegenstand aus den Atemwegen befördert.

    • Heimlich-Griff für Kinder und Erwachsene: Von hinten umfassen, Faust zwischen Brustbein und Bauchnabel platzieren, kraftvoll nach innen und oben ziehen. Wichtig: nicht bei Kindern unter 12 Monaten anwenden.

Was ist der Heimlich-Griff?

Eine Aspiration, also das Eindringen von Fremdkörpern in die Atemwege, kann jeden treffen. Was umgangssprachlich als „Verschlucken in die falsche Röhre“ bekannt ist, wird schnell lebensbedrohlich.

Genau hier kommt eine lebensrettende Maßnahme zum Einsatz: Der Heimlich-Griff, auch als Heimlich-Manöver, Heimlich-Handgriff oder Oberbauchkompression bekannt, ist eine Erste-Hilfe-Technik zur Befreiung blockierter Atemwege. Das Prinzip ist einfach: Durch gezielten Druck auf den Oberbauch wird der blockierende Gegenstand herausgeschleudert.

Der amerikanische Arzt Henry Heimlich hat diese Methode in den 1970er Jahren entwickelt. Seine Technik nutzt physikalische Gesetzmäßigkeiten: Kraftvolle Kompressionen drücken das Zwerchfell von unten nach oben, wodurch ein abrupter Druckanstieg in der Lunge entsteht. Dies wirkt wie ein künstlicher Hustenstoß, der hilft, den Fremdkörper in der Luftröhre nach außen zu befördern.

Wann der Heimlich-Griff angewendet werden sollte

Eindeutige Anwendungsfälle

Handeln Sie in diesen Fällen sofort:

 

    • vollständige Blockade der Atemwege durch Fremdkörper

    • wenn der Betroffene nicht mehr sprechen, husten, aus- oder einatmen kann

    • Blaufärbung der Lippen oder des Gesichts

    • Panikverhalten und Greifen an den Hals

Wichtig: Versuchen Sie es zunächst mit kräftigen Schlägen zwischen die Schulterblätter. Hilft das nicht, kann der Heimlich-Griff zum Einsatz kommen, um Fremdkörper zu lösen.

Wann der Heimlich-Griff nicht angewendet werden sollte

Absolute Kontraindikationen:

 

    • Wenn Wasser in die Lunge gelangt ist, zum Beispiel nach einem Badeunfall.

    • Wenn die betroffene Person nicht sprechen, husten oder atmen kann, besser zum Aushusten ermutigen.

    • Bei Säuglingen unter 12 Monaten drohen schwere Verletzungen.

    • Bei bewusstlosen Personen beginnen Sie besser unmittelbar mit der Reanimation.

Vorsichtsmaßnahmen bei:

 

    • Schwangeren Frauen. Positionieren Sie Ihre Hände höher.

    • Sehr kleinen oder zierlichen Personen. Passen Sie die Kraft entsprechend an.

    • Personen mit vorangegangenen Bauchoperationen.

So funktioniert der Heimlich-Griff bei Erwachsenen und Kindern

Schritt-für-Schritt-Anleitung für Erwachsene

  1. Positionierung des Körpers:
    • Stellen Sie sich hinter die betroffene Person.
    • Legen Sie Ihre Arme um die Taille.
    • Falls die Person sitzt, können Sie auch von der Seite agieren.

  2. Handposition:
    • Bilden Sie mit einer Hand eine Faust.
    • Platzieren Sie die Faust zwischen Brustbeinende und Bauchnabel (ca. 2 Fingerbreit oberhalb).
    • Die andere Hand umfasst die Faust von außen.
Nahaufnahme einer Faust, die über der anderen Hand positioniert wird, als Vorbereitung für den Heimlich-Griff.

3) Handposition:

    • Bilden Sie mit einer Hand eine Faust.
    • Platzieren Sie die Faust zwischen Brustbeinende und Bauchnabel (ca. 2 Fingerbreit oberhalb).
    • Die andere Hand umfasst die Faust von außen.
Zwei Illustrationen: Die erste zeigt den Bereich für den Schlag auf den Rücken bei Verschlucken. In der zweiten steht der Helfer hinter einem Erwachsenen, legt Arme um den Oberbauch und führt den Heimlich-Griff aus. Das blockierende Element verlässt den Mundraum.

Wie oft soll man den Heimlich-Griff anwenden?

Wichtige Regel: Bleiben Sie dran, wenn der erste Versuch nicht erfolgreich ist. Manchmal löst sich der Fremdkörper erst nach mehreren Zyklen.

    • Maximal 5 Stöße pro Zyklus

    • Nach jedem Zyklus Erfolg kontrollieren

    • Bei Misserfolg: Rückenschläge und Heimlich-Manöver abwechseln

    • Wenn der Heimlich-Griff und die anderen Methoden nicht ausreichen, muss schnellstmöglich der Rettungsdienst alarmiert werden.

Den Heimlich-Griff bei sich selbst anwenden

Wenn Ersticken droht, ist das Heimlich-Manöver auch ohne fremde Hilfe durchführbar.

Legen Sie dazu Ihre eigenen Hände in den Bereich zwischen dem Rippenbogen und dem Bauchnabel. Drücken Sie nun mehrfach schnell nach innen und nach oben.

Alternative für Selbstanwendung:

  • Beugen Sie sich über eine Stuhllehne, Tischkante oder Ähnliches.
  • Drücken Sie Ihren Oberbauch kraftvoll gegen die Kante oder lassen Sie sich fallen.
  • Wiederholen Sie diese Bewegung mehrfach.
Erwachsene Person drückt kräftig gegen den eigenen Oberbauch und gegen die Lehne eines Stuhls, um den Heimlich-Griff an sich selbst durchzuführen. Ein Hinweis besagt, es je 5-mal abwechselnd durchzuführen.

Besonderheiten des Heimlich-Griffs bei Kindern und Babys

Heimlich-Griff beim Kind (ab 1 Jahr):​

  • Wenden Sie bei Kindern über einem Jahr weniger Kraft an als bei Erwachsenen.
  • Bei kleinen Kindern: Kind auf den Schoß setzen, Rücken zum Helfer drehen
  • Handposition bleibt gleich, aber sanfter ausführen
Zwei Illustrationen: Die erste zeigt ein stehendes Kind und eine helfende Person. Sie zeigt den Bereich auf dem Rücken an, auf den der Helfer schlagen sollte, wenn das Kind blockierte Atemwege hat. Auf der zweiten kniet die helden Person hinter dem stehenden Kind, umfasst dessen Oberbauch und führt den Heimlich-Griff durch. Ein Hinweis besagt, es je 5-mal abwechselnd durchzuführen.

Heimlich-Griff bei Babys (unter 1 Jahr):

Der klassische Heimlich-Griff wird bei Kindern unter einem Jahr NICHT eingesetzt.

Stattdessen:

  • Baby in Kopftieflage halten
  • 5 Schläge mit der flachen Hand zwischen die Schulterblätter
  • Falls erfolglos: Säugling umdrehen, 5 Brustkorbkompressionen mit zwei Fingern durchführen
Zwei Illustrationen zum Heimlich-Griff bei babys. Auf der ersten liegt ein Säugling bäuchlings auf dem Unterarm eines Helfers, Kopf nach unten; der Helfer gibt Schläge zwischen die Schulterblätter. Auf der zweiten liegt der Säugling in Rückenlage auf dem Unterarm; Helfer drückt mit zwei Fingern auf den Brustkorb. Ein Hinweis sagt, es je 5-mal abwechselnd durchzuführen.

Was Sie nach der Anwendung des Heimlich-Manövers tun sollten

Nach erfolgreichem Heimlich-Griff:

    • Notruf 112 verständigen, auch bei Erfolg

    • Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes bei dem Betroffenen bleiben

    • Person beruhigen und gegebenenfalls zum Arzt begleiten

    • Auf mögliche Verletzungen achten

Risiken des Heimlich-Griffs und häufige Fehler bei der Anwendung

Mögliche Komplikationen

Entgegen weit verbreiteter Befürchtungen ist der Heimlichgriff bei korrekter Anwendung relativ sicher. Schwere innere Verletzungen von Milz, Leber oder Magen sind bei sachgemäßer Durchführung selten. Das Risiko einer unbehandelten Erstickung ist um ein Vielfaches höher als mögliche Komplikationen durch das Manöver.

Weitere Risiken:

 

    • Leichte Prellungen im Bauchbereich

    • Rippenbrüche bei sehr kräftiger Anwendung

    • Magenverletzungen

Wie Sie häufige Fehler vermeiden

Fehler 1: Falsche Handposition

  • Zu hoch (am Brustkorb oberhalb des Brustbeins bzw. in der Mitte des Brustbeins): Wirkungslos und gefährlich
  • Zu tief (am Unterbauch): Verletzungsrisiko für innere Organe
  • Richtig: Zwischen Brustbein und Bauchnabel
    Illustration zweier Oberkörper mit Markierung der Bereiche: Mittlerer Rücken und Oberbauch als Position für Heimlich-Griff.

Fehler 2: Ungenügende Kraft

  • Zu zaghaftes Vorgehen hilft nicht.
  • Richtig: Kraftvolle, entschlossene Bewegungen

Fehler 3: Falsche Zugrichtung

  • Nur nach hinten oder nur nach oben ziehen
  • Richtig: Gleichzeitig nach innen UND nach oben drücken

Fehler 4: Panik des Helfers

  • Hektisches, unkoordiniertes Handeln
  • Richtig: Ruhig bleiben, systematisch vorgehen

Maßnahmen gegen Verschlucken

  • In Ruhe Essen und sich Zeit nehmen
  • Achtsam Essen und Ablenkungen vermeiden
  • Kleine Bissen zu sich nehmen und gründlich kauen
  • Aufrechte Sitzhaltung
  • Kinder beim Essen beaufsichtigen und auf altersgerechte Nahrung achten
  • Kindersicheres Spielzeug verwenden und mögliche Gefahrenquellen außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren

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Häufig gestellte Fragen

Was ist der Heimlich-Griff?

Der Heimlich-Griff ist eine Erste-Hilfe-Technik, die bei Erstickungsgefahr angewendet wird. Sie wurde erstmals 1974 von Henry J. Heimlich beschrieben. Bei der Methode wird durch gezielte Bauchkompressionen ein Luftstoß erzeugt, der verschluckte Fremdkörper aus den Atemwegen befördert. Sie sollte nur in Notfallsituationen verwendet werden, kann aber im Ernstfall Leben retten.

Stellen Sie sich hinter die betroffene Person, legen Sie eine Faust zwischen Brustbein und Bauchnabel und umfassen Sie sie mit der anderen Hand. Ziehen Sie anschließend kraftvoll nach innen und oben. Führen Sie bis zu 5 schnelle Stöße aus, bis die Atemwege wieder frei sind. Wiederholen Sie den Griff bei Bedarf.

Ja, er ist erlaubt. Fachliche Diskussionen betreffen nicht die Rechtslage. Die Behauptung, dass der Heimlich-Griff verboten sei, stimmt daher nicht. Im Gegenteil: Er wird weiterhin als zulässige Erste-Hilfe-Maßnahme empfohlen, denn bei Erstickungsgefahr bleibt das Manöver unverzichtbar. Schulungen und Rettungsdienste lehren es nach wie vor als Standardverfahren.

Die Begriffe „Heimlich-Griff“ oder “Heimlich-Handgriff” sind nach wie vor gebräuchlich und korrekt. Medizinisch wird oft die Bezeichnung „Oberbauchkompression nach Heimlich“ oder „Heimlich-Manöver“ verwendet. Alle Bezeichnungen beziehen sich auf dieselbe lebensrettende Technik, bei der durch abdominale Druckstöße Luftimpulse erzeugt werden, um Fremdkörper nach außen zu befördern.

Das Heimlich-Manöver kann Leben retten, aber er ersetzt nicht die professionelle medizinische Versorgung. Bei Erstickungsnotfällen zählt jede Sekunde. Setzen Sie immer den Notruf 112 ab und leisten Sie erste Hilfe nach bestem Wissen und Gewissen.