Wenn die ersten Besucherinnen und Besucher auf die Münchner Theresienwiese strömen, beginnt für viele das größte Volksfest der Welt. Während in den Festzelten gefeiert wird und mehrere Millionen Maß Bier ausgeschenkt werden, steht im Hintergrund jederzeit ein Team bereit, wenn Hilfe gebraucht wird, sind die Einsatzkräfte nie weit entfernt.

Jedes Jahr beteiligt sich MKT am Rettungsdienst rund um das Oktoberfest. Vom Standort am Bavariaring aus übernehmen unsere Teams Einsätze während der gesamten Wiesnzeit. Einer, der diese besondere Zeit wie kaum ein anderer kennt, ist Christoph Schröer, Abteilungsleiter Rettungsdienst bei MKT, langjähriger Wiesn-Rettungsdienstler und außerdem an zwei Tagen als Einsatzleiter Rettungsdienst (ELRD) und Organisatorischer Leiter Rettungsdienst (OrgL) im Einsatz.

Christoph, wie lange beteiligt sich MKT schon am Oktoberfest?

Schon seit Jahrzehnten. Als ich 2004 beim MKT begonnen habe, gab es den Wiesn-RTW bereits. Damals allerdings in deutlich geringerem Umfang. Heute fahren wir täglich mit zwei Rettungswagen im Einsatz. Früher waren das über die gesamten 16 Wiesn-Tage vielleicht vier oder fünf Schichten.

Wie viele Mitarbeitende sind dabei im Einsatz?

Pro Rettungswagen sind zwei Mitarbeitende und zusätzlich ein Azubi oder Praktikant eingeteilt. Damit sind täglich etwa sechs Personen auf den RTWs im Einsatz. Dazu kommen weitere Kräfte in der Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleitung (UGSanEL) sowie einzelne Dienste als ELRD oder OrgL.

Du bist während der Oktoberfestzeit auch als ELRD und OrgL tätig. Wie funktioniert das?

Während der Wiesn gibt es zusätzlich zum regulären Dienstplan jeweils einen weiteren Einsatzleiter Rettungsdienst und einen weiteren Organisatorischen Leiter Rettungsdienst. Dadurch steht bei besonderen Einsatzlagen immer eine zusätzliche Führungskraft zur Verfügung. Falls irgendwo etwas passiert, kann schnell reagiert werden, ohne dass andere Bereiche unbesetzt bleiben.

Ein Notfalleinsatz im Umfeld der Wiesn.

„Die Einsätze sind sogar weniger geworden“

Hat sich das Einsatzgeschehen in den vergangenen Jahren verändert?

Ja, tatsächlich. Auch wenn es sich vielleicht überraschend anhört: Es sind insgesamt weniger Einsätze geworden. Das liegt aus meiner Sicht unter anderem daran, dass die Maß Bier immer teurer wird. Das heißt praktisch: bevor die Leute noch eine zusätzliche Maß trinken, hören sie lieber auf. Außerdem ist der Sanitätsdienst auf der Wiesn richtig gut und nimmt einiges ab, wo früher ein RTW transportieren hätte müssen. Es gibt sogar ein Wiesn-CT und so wird der Rettungsdienst wahnsinnig entlastet.

Den Sanitätsdienst macht die Aicher Ambulanz auf der Wiesn. Wie funktioniert die Zusammenarbeit auf dem Festgelände?

Die Zusammenarbeit funktioniert wirklich hervorragend. Wenn ein Transport durch den Rettungsdienst notwendig wird, werden wir nachgefordert. Das kann direkt auf dem Festgelände oder an einem der Behandlungscontainer sein. Das funktioniert kollegial – wirklich eine wunderbare Zusammenarbeit. Da bekommt man auch immer was zu trinken und Süßigkeiten, wenn man lieb fragt, es ist richtig cool da.

Welche Notfälle begegnen euch am häufigsten?

Natürlich ist ein Großteil der Patientinnen und Patienten betrunken. Aber „nur betrunken“ kommt mittlerweile eher selten vor. Meist sind es alkoholbedingte Stürze mit zusätzlichen Verletzungen. Kopfplatzwunden, Knochenbrüche oder andere Unfallfolgen gehören zu den häufigsten Einsatzgründen auf dem Wiesn-RTW.

Gibt es spezielle Vorbereitungen für den Rettungsdienst auf dem Oktoberfest?

Für die RTW-Besatzungen gibt es jedes Jahr vorab die wichtigsten Informationen und Hinweise. Ansonsten ist es eigentlich ein ganz normaler Rettungsdiensteinsatz, nur eben in direkter Nähe zur Wiesn.
Dadurch, dass überall Polizei präsent ist, fühlt man sich auf der Wiesn sogar sicherer als teilweise im normalen Regelrettungsdienst. Ich habe in den vielen Jahren noch nie eine wirklich gefährliche Situation erlebt.

Welche besonderen Herausforderungen bringt das Oktoberfest mit sich?

Englisch sollte man als Besatzung schon beherrschen. Gerade bei internationalen Gästen hilft das natürlich weiter. Ansonsten funktioniert vieles wie im Alltag auch mit Händen und Füßen. Die größte Herausforderung sind oft die Menschenmassen. Je nach Uhrzeit und Einsatzort kann es schon etwas dauern, bis man sich durch die Besuchermengen bewegt hat. Ansonsten unterscheidet sich die Arbeit gar nicht so stark vom normalen Rettungsdienst.

Seit Jahrzehnten im Umfeld des Oktoberfests im Einsatz

Einsätze, die in Erinnerung bleiben

Gibt es einen Einsatz, an den du besonders oft zurückdenkst?

Jedes Jahr gibt es Einsätze, die im Gedächtnis bleiben. Seien es jetzt traurige oder lustige Einsätze.
Ein Wiesn-Besucher hatte es sich auf dem Trittbrett des Rettungswagens bequem gemacht, um sich auszuruhen. Als unter dem Trittbrett plötzlich Flüssigkeit hervorlief, haben wir festgestellt, dass der Mann sich in die Lederhose gepieselt hatte. „Mit sowas muss man klarkommen“, sagt Schröer lachend. Berührungsängste dürfe man im Rettungsdienst ohnehin nicht haben.

Du bist Oktoberfest-Ultra. Was bedeutet die Wiesn für dich persönlich?

Ich fahre jetzt seit 16 Jahren regelmäßig Wiesn RTW und immer so viele Schichten wie es geht. Mit meinen Wiesn-Festschicht-Partner, macht es einfach wahnsinnig Spaß. Mit dem läuft es wunderbar, und wir freuen uns jedes Jahr aufs Neue, dass wir ca. 10 Schichten zusammen fahren.

Zum Abschluss: Gibt es etwas, das du den Wiesn-Besucherinnen und Wiesn-Besuchern mitgeben möchtest?

Eigentlich ist es immer eine schöne Stimmung. Nur eines: Wenn man zum Feiern aufs Oktoberfest kommt, sollte man die gute Stimmung genießen und respektvoll miteinander umgehen. Es braucht keine Aggressionen und keine Schlägereien.

Oder, wie Christoph Schröer es auf den Punkt bringt:
„Seid’s lieb zueinander.“

Wir bedanken uns bei allen Kolleginnen und Kollegen, die während des Oktoberfestes aber auch das ganze Jahr über für die Sicherheit der Menschen im Einsatz sind. 

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Autor

  • Teresa Gunsch unterstützt seit Februar 2025 die Unternehmenskommunikation der MKT Firmengruppe. Ihr Schwerpunkt liegt auf der digitalen Kommunikation, Social Media, Nachhaltigkeitsthemen sowie der redaktionellen Begleitung des operativen Tagesgeschehens.

    Sie studierte Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt Neue Medien und
    absolviert derzeit einen Master of Science an der Tomorrow University mit Fokus auf Sustainability, Innovation and Technology. Ihr Studienschwerpunkt liegt im Bereich Data Driven Social Innovation.

    Seit Dezember 2025 ist sie zudem als Sanitätshelferin tätig und erhält dadurch
    praktische Einblicke in die Abläufe des Rettungs- und Sanitätsdienstes.

    Themenschwerpunkte:

    • Social Media & Öffentlichkeitsarbeit
    • Einblicke in den Einsatzalltag
    • Nachhaltigkeit im Rettungsdienst
    • Organisationsentwicklung